Zusammenfassung

Zusammenfassung

Im Mittelpunkt des Buches »Hochbegabte Kinder in der Grundschule. Erkennen – Verstehen – Im Unterricht berücksichtigen« stehen überdurchschnittlich begabte Kinder im Grundschulalter.

In meinem Buch spreche ich nicht von »Hochbegabung«, sondern von »überdurchschnittlicher Begabung«. Damit will ich dem Leser deutlich machen, dass es nicht nur um die Höchstbegabten, die wir aus Zeitungsberichten und Fernsehshows kennen und die bereits im Grundschulalter Leistungen von Hochschulabsolvent/innen erreichen, geht, sondern um alle diejenigen Kinder, die unter den Bedingungen an unseren Schule leiden, weil sie mehr leisten können, als im Allgemeinen von Schüler/innen ihrer Altersstufe gefordert wird. Auch viele Kinder, die nicht mit Bestnoten glänzen, gehören zu dieser Schüler/innengruppe.

Wie der Titel des Buches ankündigt, soll das Buch helfen, überdurchschnittlich begabte Kinder in der Grundschule zu erkennen, sie in ihrer Besonderheit zu verstehen und ihre Bedürfnisse im Unterricht adäquat zu berücksichtigen.

Erkennen deshalb, weil uns die überdurchschnittlich begabten Kinder nicht immer sofort im Unterricht auffallen. Viele von ihnen bringen sehr gute Leistungen – aber das tun auch andere Kinder. Und eine große Anzahl besonders begabter Kinder fällt im Unterricht gar nicht durch besonders gute Leistungen auf – oder gehören sogar zu den Schulversagern. Kinder, deren überdurchschnittliche Begabung nicht erkannt und damit auch nicht berücksichtigt wird, können gravierende Störungen in ihrer Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung bekommen.

Im ersten Kapitel des Buches gebe ich Begriffsklärungen und -bestimmungen zu wichtigen Begriffen wie Intelligenz, Kreativität, Begabung und Hochbegabung und stelle Merkmale überdurchschnittlich begabter Kinder vor. Es ist für Lehrer/innen und Eltern wichtig, eine möglicherweise vorhandene überdurchschnittliche Begabung auch ohne Intelligenztest zu erkennen, denn bevor ein Kind getestet wird, muss jemand auf es aufmerksam geworden sein.

Die Frage nach dem Verstehen der Besonderheiten und Bedürfnisse dieser Kinder nimmt einen großen Bereich des Buches ein. Die Besonderheiten und Bedürfnisse überdurchschnittlich begabter Kinder im Grundschulalter werden sowohl anhand von theoretischen Überlegungen als auch mittels dreier Fallbeispiele entfaltet und neben der gesellschaftlichen Dimension als Begründung für die Notwendigkeit der wertschätzenden Annahme und Förderung begriffen. Vorurteile gegen Begabtenförderung werden im Lichte der Begabungsförderung für alle behutsam geprüft und entkräftet. Es wird beschrieben, unter welchen schulischen Umständen besonders begabte Kinder häufig leiden, und die Hintergründe hierfür werden aufgezeigt. Die Fallbeispiele und die Ausführungen zeigen auch, dass es viele dieser Kinder gibt und dass es nicht auf den »Stempel« der Hochbegabung oder auf einen bestimmten IQ ankommt, sondern einzig und allein darauf, dass es Kinder gibt, die in ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit so sehr vom Durchschnitt ihrer Bezugsgruppe nach oben abweichen, dass besondere Bedürfnisse entstehen, die im Interesse einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigt werden müssen.

Im zweiten Teil meines Buches werden daraus 10 Forderungen an Schule und Unterricht abgeleitet, deren Umsetzung eine möglichst gute Berücksichtigung dieser Bedürfnisse im Unterricht ermöglichen kann. Als wichtigste Forderungen möchte ich an dieser Stelle einen verbesserten Informationsstand der Lehrkräfte hinsichtlich des Themas, ein begabungsfreundliches Klima an der Schule und in der Klasse und einen stetigen Dialog zwischen Lehrkräften und Schüler/innen nennen.

Im dritten Teil stelle ich Möglichkeiten der Realisation vor. Dabei geht es zunächst ausführlich darum, wie die einzelne Lehrkraft für ein begabungsfreundliches Klima sorgen kann und welche Einstellungen sie bei sich, im Kollegium und in der Klasse fördern muss, um dies zu erreichen. Hierbei zeigt sich, dass diese Grundauffassungen in engem Zusammenhang mit denen im ersten Teil entfalteten gesellschaftlichen Bedingungen gegen bzw. für eine innerschulische Begabungsförderung stehen. Danach werden Möglichkeiten für die Binnendifferenzierung im vorwiegend lehrer/innenzentrierten Unterricht vorgestellt. Die Ausführungen und Beispiele zeigen, dass auch mit geringerem zusätzlichen Arbeitsaufwand erste Schritte in die richtige Richtung möglich sind. Im Anschluss werden Möglichkeiten durch die Öffnung des Unterrichts, klassenübergreifende Möglichkeiten und Chancen und Grenzen der Akzeleration ausgelotet.

Alle Kapitel des dritten Teils sind mit vielen konkreten Beispielen aus der Praxis und aus Schulversuchen illustriert. Unterrichtsrezepte können und sollen jedoch nicht geliefert werden, da die Umsetzung von der jeweiligen Lehrkraft, dem jeweiligen Kind und der Klasse abhängt und jeweils individuell ausgestaltet werden muss. Die vorgestellten Beispiele können jedoch denjenigen Lehrkräften, die für die Thematik aufgeschlossen (worden) sind, wertvolle Anregungen bieten. Das Wichtigste ist, wie in dem Buch deutlich wird, die Einstellung der Lehrkraft und ihre Bereitschaft, auch zusätzliche Arbeit und Energie zu investieren, um allen ihren Schüler/innen möglichst gerecht werden zu können. Die Ausführungen zeigen aber auch, dass sich dieses Engagement lohnt – sowohl für das einzelne überdurchschnittlich begabte Kind als auch für die gesamte Klasse und die jeweilige Lehrkraft.

Im Schlussteil des Buches wird nach einer Zusammenfassung ein Ausblick gewagt, der sich damit beschäftigt, ob und wie Möglichkeiten vorhanden sind, unter den gegebenen Bedingungen in Schule und Gesellschaft eine flächendeckende Begabungsförderung im beschriebenen Sinne zu realisieren. Dabei werden einige Punkte angesprochen, die zurzeit einem solchen Ziel noch entgegenstehen. So endet das Buch zum einen mit einer Aufforderung an Schulbehörden und andere Entscheidungsträger, die Rahmenbedingungen zu verbessern, und zum anderen mit dem Appell an die einzelnen Lehrkräfte, schon mal innerhalb ihrer eigenen Schule, ihrer eigenen Klasse den sich lohnenden Weg zu gehen und das Mögliche möglich zu machen.

Im Anhang befinden sich Gedächtnisprotokolle ausführlicher Interviews mit Lehrerinnen und Eltern besonders begabter Kinder, Informationen zu einigen der vorgestellten Beispiele und Beispielmaterial aus dem Unterricht.

→weiter informieren:
Inhaltsverzeichnis
Rezensionen

nach oben

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.