Arbeit mit Zielvereinbarungen

Die Arbeit mit Zielvereinbarungen ist eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit eines Schülers bewusst auf das Erreichen eines gemeinsam vereinbarten Ziels zu richten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Indem der Schüler beim Aussuchen des Ziels, beim Anlegen der Messlatte und beim Überprüfen der Zielerreichung mit ins Boot geholt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das gewünschte Ziel erreicht wird, enorm.

Prinzipiell eignet sich nahezu jedes (realistische!) Ziel für eine Zielvereinbarung. Im Bereich Soziales Lernen empfiehlt sich das Arbeiten mit Zielvereinbarungen besonders. Sie ergänzen die Arbeit mit den Kompetenzrastern hervorragend.

Voraussetzungen

Die Arbeit mit Zielvereinbarungen gelingt dann, wenn in der Klasse ein vertrauensvolles und wertschätzendes Lehrer-Schüler-Verhältnis herrscht. Die Lehrkraft muss die Schüler mit ihren Bedürfnissen, ihren Stärken und ihren Schwächen ernst nehmen. Sie muss sowohl Positives rückmelden als auch negatives Schülerverhalten gegenüber dem Schüler klar benennen – dabei aber immer einen Weg aufzeigen, wie der Schüler sein negatives Verhalten abbauen und im Gegenzug positives Verhalten aufbauen kann. Ich gehe immer davon aus, dass meine Schüler sich zum Positiven entwickeln wollen, und helfe ihnen dabei, Wege dafür zu finden.

Hilfreich ist es, wenn in der Klasse bereits andere reflexionsfördernde Lernformen eingeführt sind wie z. B. ein Wochenplan mit entsprechender Rückseite. Mit einzelnen Schülern (statt mit einer ganzen Klasse) kann man jedoch auch ohne diese Lernformen Zielvereinbarungen treffen.

Wenn man, wie hier vorgestellt, eine ganze Klasse Zielvereinbarungen treffen lassen möchte, bietet es sich an, dies mit dem Kompetenzraster für Soziales Lernen zu koppeln.

Das vorliegende Beispiel ist aus dem 6. Jahrgang einer Hauptschule.

Einstieg

Das Kompetenzraster ist bereits seit der 5. Klasse eingeführt. (Auch dort kann bereits mit Zielvereinbarungen im Zusammenhang mit den Kompetenzrastern arbeiten). Zu Beginn der Einführungsstunde wird das Kompetenzraster aufgeschlagen (es ist hinten in der Wochenplanmappe). 4 Schüler lesen jeweils eine Teilkompetenz aus dem Bereich „Leistungsbereitschaft“ vor. Gemeinsam wird besprochen, was die einzelnen Kompetenzen bedeuten.

Anschließend wird, z. B. per Folie und OHP, das Zielvereinbarungsformular erklärt. Danach schätzt sich zunächst jedes Kind selbst auf der oben Hälfte des Formulars (das in die Wochenplanmappe hinter die Wochenpläne zu den Kompetenzrastern geheftet wird) ein und markiert das mit einem entsprechenden Balken in roter Farbe (siehe Bild oben). Dann sucht sich der Schüler ein anderes Kind, von dem er denkt, dass es ihn gut genug kennt, um die Fremdeinschätzung vornehmen zu können. Dieses Kind malt seine Balken in gelb. (In der 5. Klasse mache ich die Fremdeinschätzung selbst; das Ausfüllen der Zielvereinbarung ist dann eine Wochenplanaufgabe, sodass genug Zeit bleibt, um mit jedem Kind die Zielvereinbarung zu besprechen und auszufüllen).Anhand der Selbst- und Fremdeinschätzung überlegt sich jedes Kind, welche Teilkompetenzen schon gut genug ausgeprägt sind, dass es dafür bereits einen Stempel im Kompetenzraster bekommen kann. (Zur Arbeit mit Kompetenzrastern siehe hier.) Die trägt es in das Feld „Das kann ich schon ganz gut“ ein. Außerdem wählt es 1-3 Kompetenzen aus, in denen es sich weiterentwickeln will. Wichtig ist: Die Kinder müssen dabei unterstützt werden, dass sie sich ein realistisches Ziel setzen. Wieviel wollen sie sich wirklich vornehmen? Es muss schaffbar sein! Diese Kompetenzen tragen sie in das Feld „Daran will ich noch arbeiten“. Erst jetzt kommen sie zur Lehrkraft und vereinbaren gemeinsam die Formulierung im dicken Kasten. Hierbei sollte, wenn möglich, darauf geachtet werden, dass die Zielformulierung überprüfbar ist (sogenannte SMARTe Ziele). (In dem vorliegenden Beispiel ist dies übrigens nicht so gelungen. Wer weiß, vielleicht wurde das Ziel ja deshalb nur „gut bis weitgehend“ erreicht …)

Danach besiegeln Lehrkraft und Schüler die Zielvereinbarung mit Handschlag und Unterschrift. Ab jetzt gilt sie. Übrigens werden die Kompetenzen, über die das Kind verfügt, selbstverständlich vor dem Handschlag und der Unterschrift auf dem Kompetenzraster mit Stempel und Datum vermerkt!

Während des Beobachtungszeitraums

Auf dem Zielvereinbarungsformular ist das Ende des Beobachtungszeitraums bereits eingetragen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Kinder sich selbst beobachten, inwieweit sie ihre Ziele erreichen. Dazu bietet es sich an, am Anfang jeder Woche die Kinder noch einmal ihre Zielvereinbarung aufschlagen und lesen zu lassen und am Ende der Woche kurz (z. B. auf der Wochenplanrückseite) dokumentieren zu lassen, wie gut sie bezüglich der Zielvereinbarung in der Woche waren. Auch die Lehrkraft beobachtet die Kinder. Gesonderte Notizen sind i. d. R. nicht notwendig, es müssen lediglich die Schülerdokumentationen angeschaut und ggf. (bei abweichender Einschätzung) mit einem entsprechenden Kommentar versehen werden. Statt auf der Wochenplanrückseite die Dokumentation machen zu lassen, könnte man auch für die Rückseite der Zielvereinbarung ein entsprechendes Formular entwerfen.

Abschluss

In der Woche, in der die Zielvereinbarung endet, bietet es sich wieder an, den Abschluss der Zielvereinbarung als Aufgabe in den Wochenplan zu übernehmen. Zuerst muss der Schüler durch Ausmalen des entsprechenden Feldes seine Einschätzung vornehmen, dann folgt die Lehrereinschätzung. Kompetenzen, die am Ende des Beobachtungszeitraums ausreichend ausgeprägt sind, werden auf dem Kompetenzraster bescheinigt. Kompetenzen, über die das Kind auch jetzt noch nicht gut genug verfügt, bleiben weiter im Blick von Schüler und Lehrkraft. Ich spreche mit den Kindern dann kurz ab, was sie tun müssen, um sich dort weiter zu verbessern, und wann sie wiederkommen können um zu besprechen, ob sie nun „reif für den Stempel“ sind.

Erfahrungen

Sowohl mit fünften als auch mit höheren Klassen funktioniert die Arbeit mit Zielvereinbarungen sehr gut, vorausgesetzt, man sorgt dafür, dass die Kinder ihre Ziele über diese Zeit auch wirklich im Blick behalten. Etwa 2/3 bis 3/4 der Klasse sollten ihr Ziel wenigstens „gut bis weitgehend“ erreichen, das halte ich für einen guten Richtwert.

Die Arbeit mit den Zielvereinbarungen unterstützt die Arbeit mit den Kompetenzrastern sehr, denn die Kinder haben so aktiv die Möglichkeit, ihr eigenes Lernen im Sozialen Bereich zu steuern und sich bewusst weiter zu entwickeln. Dadurch wird außerdem das Kompetenzraster mehr in den Fokus gerückt, erhält eine höhere Wichtigkeit und „füllt sich schneller mit Stempeln“.

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