{"id":41,"date":"2011-10-10T19:40:38","date_gmt":"2011-10-10T18:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/brahms:81\/?page_id=41"},"modified":"2021-12-29T21:55:53","modified_gmt":"2021-12-29T20:55:53","slug":"uber-den-berg-kurzgeschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/s-ng.de\/?page_id=41","title":{"rendered":"\u00dcber den Berg &#8211; Kurzgeschichte"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/s-ng.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Coverentwurf-\u00dcber-den-Berg-636x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1182\" width=\"184\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/s-ng.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Coverentwurf-\u00dcber-den-Berg-636x1024.jpg 636w, https:\/\/s-ng.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Coverentwurf-\u00dcber-den-Berg-186x300.jpg 186w, https:\/\/s-ng.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Coverentwurf-\u00dcber-den-Berg-768x1236.jpg 768w, https:\/\/s-ng.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Coverentwurf-\u00dcber-den-Berg.jpg 1583w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><figcaption><br><br><br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>&#8222;\u00dcber den Berg&#8220; ist eine 11 Normseiten umfassende Kurzgeschichte, die ich f\u00fcr den Kurzgeschichtenwettbewerb zum &#8222;Tag des Schreibens&#8220; geschrieben und eingereicht habe. Die Geschichte erschien Ende des Jahres 2011 zusammen mit 10 weiteren Kurzgeschichten aus dem Wettbewerb in der eBook-Anthologie &#8222;Zeilenumbruch&#8220; in der EditionZ des Twinmedia Verlages. Inzwischen ist die Anthologie vergriffen und die Rechte liegen wieder bei mir. &#8222;\u00dcber den Berg&#8220; ist in etwa zeitgleich mit &#8222;Weil du es bist&#8220; und &#8222;Zur\u00fcck.&#8220; Anfang Dezember 2019 als E-Book bei Amazon und als Taschenbuch (\u00fcberall erh\u00e4ltlich) erschienen.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>\u2192 <a href=\"https:\/\/www.thalia.de\/shop\/home\/artikeldetails\/A1057147006\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zum Buch bei Thalia (Paperback)<\/a><br \/>\u2192<a href=\"https:\/\/www.hugendubel.de\/de\/buch_kartoniert\/sabine_nagel-ueber_den_berg-38402241-produkt-details.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> zum Buch bei Hugendubel (Paperback)<\/a><br \/>\u2192 <a href=\"https:\/\/www.genialokal.de\/Produkt\/Sabine-Nagel\/Ueber-den-Berg_lid_42230166.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zum Buch bei genialokal, der Gemeinschaft von \u00fcber 700 inhabergef\u00fchrten Buchhandlungen in ganz Deutschland (Paperback)<\/a><br \/>\u2192 <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B082BG9JP1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zum Buch bei Amazon (E-Book und Paperback)<\/a><\/p>\n<h2>Kurztext<\/h2>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Am Ende des Tages, den der Leser hier miterlebt, ist Sascha noch lange nicht \u00fcber den Berg. Aber er hat einen Freund \u2013 und endlich die Kraft, sich der Herausforderung zu stellen. Oben leuchtet der Himmel. Ein bisschen davon kann Sascha schon sehen.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>SpinOff<\/h2>\n<p>Die Hauptperson der Kurzgeschichte, Sascha, ist einer der beiden Protagonisten aus dem Roman &#8222;<a href=\"https:\/\/s-ng.de\/?page_id=1061\">Weil du es bist<\/a>&#8220; . &#8222;\u00dcber den Berg&#8220; ist jedoch aus Saschas Sicht geschrieben und beleuchtet einen Tag im Leben Saschas aus der Zeit der Trennung von Fredi. Die Geschichte ist in sich unabh\u00e4ngig; gleichzeitig erg\u00e4nzen sich beide Werke gegenseitig, gleichg\u00fcltig, in welcher Reihenfolge man sie liest.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Entstehungsgeschichte der Anthologie &#8222;Zeilenumbruch&#8220;<\/h2>\n<p>Im Mai\/Juni 2011 war auf der Plattform <a href=\"http:\/\/www.neobooks.com\">neobooks.com<\/a> ein Kurzgeschichtenwettbewerb zum &#8222;<a href=\"http:\/\/www.tag-des-schreibens.com\/\">Tag des Schreibens<\/a>&#8220; ausgeschrieben. Das Thema lautete:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Es gibt Tage, die ver\u00e4ndern das gesamte Leben. Manchmal reichen wenige Buchstaben aus und schon ist nichts mehr wie vorher. Wir wollen Geschichten lesen, in denen ein geschriebenes Dokument und der Tag, an dem es geschrieben wurde eine wichtige Rolle spielen \u2013 das kann zum Beispiel ein Brief, ein Testament oder ein einfacher Zettel sein\u2026<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u00dcber 200 Kurzgeschichten wurden eingereicht. Meine Geschichte erhielt sehr viele positive Rezensionen, z\u00e4hlte aber am Ende nicht zu den Gewinnern. Einige der Autorinnen und Autoren, die sch\u00f6n l\u00e4nger sehr aktiv bei neobooks waren, schlossen sich zusammen, um ihre Geschichten dennoch in einer eBook-Anthologie herauszubringen. Entstanden ist eine tolle Sammlung von elf sehr unterschiedlichen Geschichten, die jede auf ihre Art das Thema auf sehr gelungene Weise umgesetzt haben.<\/p>\n<p>Seit dem 08.12.2011 konnte die Anthologie k\u00e4uflich erworben werden. Mehr Informationen dazu gibt es <a href=\"https:\/\/s-ng.de\/?p=608\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>XXL-Leseprobe &#8222;\u00dcber den Berg&#8220;<\/h2>\n<p><em>Der Text ist das geistige Eigentum von Sabine Nagel und unterliegt dem deutschen Urheberrecht.<\/em> <em>Vervielf\u00e4ltigung und Verwendung zu anderen Zwecken als der eigenen Information<\/em> <em>nicht gestattet.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Es ist Samstagmorgen, 0:11 Uhr. Ich sollte ins Bett gehen, aber ich kann ja doch nicht schlafen. Seitdem ich mich von Fredi getrennt habe, liege ich oft noch lange gr\u00fcbelnd im Bett. Sie fehlt mir, immer noch. Ich habe sie geliebt. Und doch habe ich sie in den Wind geschossen. Weil ich keine Kraft mehr hatte, ihr vorzumachen, dass es mir gut geht. Ich will stark sein, ebenb\u00fcrtig; gelungen ist es mir nicht. Jetzt k\u00e4mpfe ich wieder allein, seit neun Monaten schon, mit mir und mit meinem beschissenen Leben und jede Nacht mit dem Einschlafen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich \u00f6ffne noch einmal das E-Mail-Programm. Vielleicht gibt\u2019s ja doch noch was Neues, auch wenn es unwahrscheinlich ist. Max und Philipp aus meinem Semester und Hannes vom Basketball, der irgendwie viel besser klarkommt als ich, haben auch was Besseres zu tun, als mich st\u00e4ndig mit Mails zu begl\u00fccken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Es macht \u201epling\u201c \u2013 ich habe tats\u00e4chlich eine neue Mail. Ich erschrecke, als ich den Absender erkenne. Markus Wieland. Mein bester Freund aus meinem alten Leben. Er hat die Mail erst vor wenigen Minuten abgeschickt. Was will er von mir? Atemlos lese ich seine Zeilen:<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"color: #000080;\"><em>Hi Sascha, wollte mal h\u00f6ren, wie\u2019s dir so geht. Ich wei\u00df, du hast mir gesagt, du willst keinen Kontakt mehr, aber das ist jetzt zweieinhalb Jahre her. Zweieinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Ich will mich nicht aufdr\u00e4ngen. Aber du sollst wissen: Ich bin immer noch dein Freund und habe dich nicht vergessen. Ich hoffe, dir geht es gut. Wenn ja, lass mal von dir h\u00f6ren. Wenn nein \u2013 dann erst recht. Meine Handynummer siehst du unten in der Signatur. Ich w\u00fcrde mich sehr freuen. Ganz liebe Gr\u00fc\u00dfe, Dein Freund Markus<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Von au\u00dfen betrachtet eine ganz normale Mail. Schrifttype Courier New, 10 Punkt, Nur-Text Format. Kein Bild, kein Anhang. Wenige Zeilen, im wahrsten Sinne des Wortes unaufdringlich. N\u00fcchtern. Und doch treffen sie mich, mitten ins Herz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich habe in letzter Zeit \u00f6fter an Markus gedacht. Wie kommt er darauf, mir gerade jetzt zu schreiben? Ahnt er, dass ich l\u00e4ngst bereue, ihn damals weggeschickt zu haben? Dass es mir leidtut, so gemein und zynisch gewesen zu sein, nur damit er endlich geht? Er ist damals der Hartn\u00e4ckigste von allen gewesen. Ich musste die schwersten Gesch\u00fctze auffahren, alle Br\u00fccken abbrechen, alles Land verbrennen. Irgendwann ist er wirklich gegangen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eEin Ekel bist du geworden, Sascha. Wei\u00dft du was, du kannst mich mal. Ertrink doch in deinem Selbstmitleid, wenn dir das lieber ist.\u201c Seine Stimme war voller Hass, als er es zu mir sagte, auf dem Absatz kehrtmachte und ging. Und ich blieb zur\u00fcck, allein auf dem Bett, daneben der Rollstuhl, dessen Sitzfl\u00e4che mir unendlich weit weg und unerreichbar schien. Markus\u2019 Worte h\u00e4tten f\u00fcr mich ein Schlag ins Gesicht sein m\u00fcssen, aber ich war einfach nur erleichtert, dass er weg war und nicht sah, wie ich mich abm\u00fchte. Wie mir der Schwei\u00df auf die Stirn trat, wenn ich all meine Kr\u00e4fte zusammennahm, um vom Bett in den Rollstuhl \u00fcberzusetzen. Wie meine Arme von der Kraftanstrengung zu zittern begannen, weil ich mehrere Anl\u00e4ufe brauchte, bis es mir endlich gelang, meinen bis zum Bauchnabel gel\u00e4hmten K\u00f6rper in den Rollstuhl zu bef\u00f6rdern. Als ich schlie\u00dflich drin sa\u00df, war mein T-Shirt nass vor kaltem Schwei\u00df.<\/span><br \/><span style=\"color: #000080;\">Und Markus war weg.<\/span><br \/><span style=\"color: #000080;\">F\u00fcr immer. Wie so viele. Alle eigentlich.<\/span><br \/><span style=\"color: #000080;\">Gut so.<\/span><br \/><span style=\"color: #000080;\">In meinem neuen \u2013 armseligen \u2013 Leben war kein Platz f\u00fcr ihn.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Erst sitze ich eine Weile wie bet\u00e4ubt vor dem Bildschirm. Ich h\u00f6re Markus\u2019 w\u00fctende, entt\u00e4uschte, schneidende Stimme, als h\u00e4tte er es eben erst gesagt. Und jetzt diese Mail. Einfach so baut er mir eine Br\u00fccke. L\u00e4sst zwischen den Zeilen durchblicken, dass er nicht sauer ist wegen damals. Weit hat er die T\u00fcr ge\u00f6ffnet, und ich muss einfach nur hindurchgehen. <\/span><span style=\"color: #000080;\">Oder vielmehr hindurchrollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich beginne zu zittern, als ich, einem spontanen Impuls folgend, Markus\u2019 Nummer w\u00e4hle. Nach ein paar Ziffern breche ich ab. Was soll ich \u00fcberhaupt sagen? Mich erkl\u00e4ren? Um Verzeihung bitten? Mein Mund ist pl\u00f6tzlich trocken und mein Kopf leer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Schlie\u00dflich lege ich das Telefon wieder weg, \u00f6ffne Markus\u2019 E-Mail erneut und dr\u00fccke auf den \u201eAntworten\u201c-Button.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"color: #000080;\"><em>Hi Markus, danke f\u00fcr deine Mail. Ich wei\u00df nicht, wie es mir geht, besser, ja, aber gut ist definitiv das falsche Wort. Ich brauche f\u00fcr den Wechsel vom Bett in den Rolli keine drei Sekunden und hab mich an mein neues Leben zumindest einigerma\u00dfen gew\u00f6hnt, immerhin soweit, dass ich mich \u00fcber deine Mail sehr, sehr freue. F\u00fcr ein paar Monate hatte ich sogar eine Freundin, aber ich Idiot habe sie auch in die W\u00fcste geschickt, ich war einfach noch nicht bereit. Mittlerweile frage ich mich, was schlimmer ist, die Behinderung an sich oder dieser hirnrissige Drang, alle, dir mir was bedeuten, wegschicken zu wollen. Was machst du so? Studierst du wirklich Geographie in Mainz, wie du es damals vorgehabt hast? Machst du noch Zehnkampf? Sorry, dass ich so feige bin und maile anstatt anzurufen, aber meine Finger haben einen f\u00fcrchterlichen Zitteranfall bekommen, als ich deine Nummer w\u00e4hlen wollte &#8230; Liebe Gr\u00fc\u00dfe, bis bald, Sascha.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich setze die Signatur mit meiner Telefonnummer ebenfalls drunter und dr\u00fccke sofort auf \u201eSenden\u201c, bevor ich es mir noch anders \u00fcberlege.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Das Telefon klingelt schneller, als ich es erwartet h\u00e4tte. Im Display erkenne ich die von Markus angegebene Nummer wieder. Anscheinend ist er auch noch wach. Augenblicklich wird mein Mund wieder trocken, aber ich \u00fcberwinde mich und nehme ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eHallo Markus.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eHi, Sascha. Abnehmen geht wohl noch?\u201c Es ist dieselbe warme, fr\u00f6hliche und wie so oft ein bisschen ironische Stimme, die ich von Markus kenne.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201e\u00c4h, ja, ist ja eine\u00a0&#8230; eher\u00a0&#8230; grobmotorische T\u00e4tigkeit. Sch\u00f6n, dass du anrufst.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eSch\u00f6n, dass du rangehst. Und dass du geantwortet hast. Ich hab deine Mail mal als Aufforderung zum Anrufen verstanden.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eDas hast du richtig interpretiert. Ich\u00a0&#8230; ich freue mich sehr.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eJa, nun lass mal gut sein. Ich entnehme deiner Mail erfreut, dass du deinen Humor wiedergefunden hast.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eNa ja, mal mehr, mal weniger. Es ist immer noch ein t\u00e4glicher Kampf.\u201c Warum erz\u00e4hle ich ihm das? Woher kommt diese pl\u00f6tzliche Offenheit? Wieso sprudeln die Worte so aus mir heraus? Ich bei\u00dfe mir auf die Zunge. Markus soll nicht denken, dass ich ihn als seelischen M\u00fclleimer missbrauchen will.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Gottseidank geht er nicht auf meinen Beinahe-Seelen-Striptease ein. \u201eIch bin morgen \u2013 also Samstag \u2013 in Hannover. Hast du Lust und Zeit f\u00fcr ein Treffen?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich habe am Samstagnachmittag ein Basketball-Punktspiel, aber das erw\u00e4hne ich besser nicht. Er will sonst bestimmt zugucken. Aber ich will nicht, dass er sieht, wie ich mit neun anderen Rollstuhlfahrern wie wild einem Ball hinterherjage.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eMorgen fr\u00fch w\u00fcrde passen\u201c, sage ich ohne weitere Erkl\u00e4rung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eJa, prima. Gehen wir zusammen irgendwo fr\u00fchst\u00fccken oder soll ich mit Br\u00f6tchen vorbeikommen?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eWoher willst du wissen, dass ich einfach mal eben so ausw\u00e4rts fr\u00fchst\u00fccken k\u00f6nnte?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Am anderen Ende der Leitung ist es f\u00fcr einen Augenblick still. Der Moment ist kurz, aber doch lang genug, dass mir auff\u00e4llt: Den letzten Satz h\u00e4tte ich besser nicht gesagt. Die \u201eSelbstmitleid\u201c-Warnleuchte blinkt drohend. Ich bin ein Idiot. Ein verdammter Idiot.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eIst die Annahme falsch?\u201c, fragt Markus schlie\u00dflich. Er klingt ein bisschen unsicher.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eNee, du hast schon richtig kombiniert. \u2019Tschuldigung. Um zehn Uhr im \u201aAlex\u2019 am Klagesmarkt?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000080;\">\u223c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Das Fr\u00fchst\u00fcck mit Markus ist wunderbar. Wir sitzen gleich neben dem Eingang; die Januarsonne w\u00e4rmt uns durch das Fenster. Ganz selbstverst\u00e4ndlich tr\u00e4gt Markus auch mein Tablett vom Buffet zum Tisch. Er und ich haben uns \u00fcber zwei Jahre nicht gesehen, aber das scheint keine Rolle zu spielen. Wir sprechen nicht \u00fcber die Zeit direkt nach dem Unfall, auch nicht \u00fcber die Gemeinheiten, die ich ihm an den Kopf geworfen habe. Er hat mir ganz offensichtlich verziehen und verlangt keine Entschuldigung. Das ist Freundschaft, denke ich erleichtert und dankbar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Wir erz\u00e4hlen viel und lachen sogar. Fast ist es wie fr\u00fcher. Nur, dass wir diesmal auf keinen Fall anschlie\u00dfend noch irgendetwas Verr\u00fccktes tun werden. Wie einen Baukran hochklettern zum Beispiel. Oder mit Klamotten in die Ihme springen. Markus und ich haben immer irgendwelche verr\u00fcckten Sachen gemacht. Mutproben. Streiche. Wir waren auf der Sonnenseite des Lebens. Sportlich, mutig, ideenreich, witzig, cool. Durch dick und d\u00fcnn sind wir gegangen. Haben zusammen M\u00e4dchen ge\u00e4rgert und Lehrer. Sind mit vierzehn schon zu zweit durch Holland geradelt. Jahrelang fuhren wir dreimal pro Woche zusammen nach Hannover zum Training. Zehnkampf. Wir waren beide gut, sehr gut. An den nieders\u00e4chsischen Jugendmeisterschaften durfte dann nur ich teilnehmen. Aber das hat unsere Freundschaft nicht belastet. Wir hatten immer Spa\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Bis zu jenem beschissenen Tag, an dem sich alles \u00e4nderte. Nat\u00fcrlich ist auch das ein Tag gewesen, den ich mit Markus verbracht habe. Ein Tag wie so viele andere \u2013 drau\u00dfen in der Natur, am Berg, fr\u00f6hlich, kraftvoll, auf dem Weg nach oben. Und dann, ein Fehltritt. Ein wackliger Stein, im \u00dcbermut mit viel zu viel Schwung betreten. Statt aufw\u00e4rts ging es abw\u00e4rts. Viel zu schnell. Ein Baum am Abhang rettete mir das Leben \u2013 und brach mir die Wirbels\u00e4ule. Mit ihr zerbrachen auch mein altes Leben und meine Selbstachtung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eHe, was ist?\u201c, unterbricht Markus meine Gedanken. Wir sind inzwischen fast fertig mit dem Fr\u00fchst\u00fcck und haben die letzten Minuten geschwiegen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eAch, nichts\u201c, wiegele ich ab. \u201eIch dachte nur\u00a0&#8230; an fr\u00fcher. War echt \u2019ne sch\u00f6ne Zeit.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eJa, wirklich. Ich hab\u2019 dich sehr vermisst, Sascha.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eWarum? Das lohnt sich nicht. Ich bin nicht mehr derselbe. Es ist nicht mehr so wie fr\u00fcher.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201eStimmt. Du bist voll der Langweiler geworden. Ich hatte gedacht, wir k\u00f6nnten heute noch da dr\u00fcben das Bauger\u00fcst hochklettern und den Bauarbeitern f\u00fcr Montag \u2019ne Flasche Bier hinstellen, aber wenn ich dich so ansehe, wird mir klar, das wird wohl nichts.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, er meint es ironisch, aber seine Worte tun mir trotzdem weh. \u201eDann such dir doch jemand anderen zur Bespa\u00dfung\u201c, will ich ihm entgegenbr\u00fcllen, aber die Warnleuchte blinkt zum Gl\u00fcck so grell, dass selbst ich es bemerke, und mit M\u00fche schlucke ich die Worte runter. Doch mir f\u00e4llt beim besten Willen nichts Schlagfertiges ein, das ich stattdessen sagen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u201e\u2019Tschuldigung\u201c, sagt Markus, pl\u00f6tzlich ganz leise. \u201eWar \u2019n bl\u00f6der Scherz.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px; text-align: right;\"><span style=\"color: #333399;\">\u00a0<\/span><span style=\"color: #333399;\"><em>Ende der Leseprobe.<\/em><\/span><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B082BG9JP1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;\u00dcber den Berg&#8220; ausleihen oder kaufen und weiterlesen<\/a><\/p>\n<h2>Ausgew\u00e4hlte Leserstimmen<\/h2>\n<p>&#8222;Mir gef\u00e4llt diese Geschichte sehr gut, weil sie mir einen tiefen, tiefen Einblick in eine stark gebeutelte Seele gibt. Einen Einblick, den ich auch aus meinem Bekanntenkreis nicht kenne, deshalb ohne diesen Text \u00fcberhaupt nicht gekannt h\u00e4tte. [\u2026] Diese Geschichte ist vieles f\u00fcr mich: tiefgr\u00fcndig, sogar abgr\u00fcndig, hoffnungsvoll, eigensinnig und sogar humorvoll, auf eine &#8230; liebenswert sarkastische Art und Weise. F\u00fcr mich ist hiermit eine weitere, unabh\u00e4ngige Facette der <a href=\"https:\/\/s-ng.de\/?page_id=37\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geschichte um Fredi und Sascha<\/a> (hier ganz ohne Fredi) zum Leben erweckt worden.&#8220;<em> (Nathan Jaeger, 16.06.2011)<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Eine Geschichte \u00fcber Mitgef\u00fchl &#8211; nicht Mitleid (!) &#8211; und echte Freundschaft &#8211; eine Geschichte \u00fcber das Leben, das Weiterleben und Lebensfreude. Ach, was soll ich sagen: ich finde sie einfach sch\u00f6n. Daf\u00fcr gibt es noch tausend Gr\u00fcnde. Aber wer braucht die eigentlich? Gekonnt geschrieben, Thema getroffen &#8211; und das Leserherz :-) <em>(Brigitte Pons, 16.06.2011)<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Sehr einf\u00fchlsam und authentisch geschrieben und mit dem gewissen Etwas, das bei mir eine kleine G\u00e4nsehaut verursacht hat.&#8220; <em>(Rebecker, 17.06.2011)<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Deine Charaktere, liebes Nordlicht, packen mich. Mit jeder einzelnen Faser meines Seins. Ich habe das Gef\u00fchl deinen Sascha zu kennen &#8230; inzwischen so gut, dass ich mir nicht einmal sicher bin, ob ich ihn gerne treffen w\u00fcrde. Ich wei\u00df nicht, ob ich sein Selbstmitleid &#8211; das wahnsinnig gut r\u00fcbergebracht und nat\u00fcrlich v\u00f6llig verst\u00e4ndlich ist &#8211; aushalten k\u00f6nnte &#8230; Auch hier habe ich die Geschichte in einem Rutsch gelesen in einer gef\u00fchlten zehntel Sekunde.&#8220;<em> (Maria M. Lacroix, 18.06.2011)<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Eine tolle Hinf\u00fchrung zu den Protagonisten. Die Figur entwickelt sich wie eine Zwiebel \u2013 Schicht f\u00fcr Schicht. [\u2026] Diese Geschichte kommt auf leisen Sohlen oder &#8211; besser gesagt &#8211; rollt auf leisen R\u00e4dern. Ich lese zum ersten Mal was von dir und bin gleichauf begeistert! So macht man S\u00e4tze und transportiert Gef\u00fchle. Spitze! Keine Fehler, die mir aufgefallen w\u00e4ren. Tolle Dialoge: ehrlich, erfrischend und alles andere als langweilig.&#8220; (<em>Jorden, 19.06.2011)<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Dank<\/h2>\n<p>Ich danke den Rezensenten, die meine Geschichte auf neobooks gelesen und bewertet haben, nicht nur f\u00fcr ihr Lob, sondern auch f\u00fcr ihre kritischen Anmerkungen zu zwei Punkten, die ich sp\u00e4ter \u00fcberarbeitet habe. Es ist immer eine besondere Herausforderung, eine Geschichte aus der Sicht des anderen Geschlechts zu schreiben &#8211; sie auch in dieser Hinsicht bis ins (hoffentlich) letzte Detail stimmig zu bekommen w\u00e4re mir ohne das Lektorat von Tonja Z\u00fcllig und besonders von Ivar Furrer so nicht gelungen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/s-ng.de\/?page_id=41\">\u2191nach oben<\/a><\/p><div class=\"pvc_clear\"><\/div><p id=\"pvc_stats_41\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"41\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon small\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/s-ng.de\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p><div class=\"pvc_clear\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;\u00dcber den Berg&#8220; ist eine 11 Normseiten umfassende Kurzgeschichte, die ich f\u00fcr den Kurzgeschichtenwettbewerb zum &#8222;Tag des Schreibens&#8220; geschrieben und&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":27,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-41","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/41","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/41\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2120,"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/41\/revisions\/2120"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/27"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/s-ng.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}