Ethik Klasse 7 oder Deutsch Klasse 6, 7 oder 8

zusätzliches Material (nicht unbedingt notwendig, aber nützlich: Schulbuch westermann Ethik Mittelschule Bayern 7/8 S. 66 „Text: „Mein Freund, der Baum“)

Im Ethikunterricht der Mittelschule Bayern steht in der 7. Jahrgangsstufe das Thema „Mensch und Natur“ auf dem Lehrplan. Ich habe mit meiner Lerngruppe vor kurzem dazu eine kleine Debatte im Unterricht veranstaltet. Hilfreich, aber nicht notwendig, ist eine Kooperation mit dem Fach Deutsch, wo im 7. Jahrgang das Thema „Argumente“ durchgenommen wird.

Im Fach Ethik haben wir zunächst in etwa 6 Doppelstunden folgende Themen behandelt:

  • Mindmap „Die Bedeutung der Natur für die Menschen“ erstellen
  • Freizeitbeschäftigungen in der Natur
  • Natur bedeutet für mich … (Sammlung von 10 Sprechblasen, Spontanpräsentation als Dialog vor der Gruppe)
  • Wie Menschen die Natur im Verlaufe der Geschichte sahen und sehen
  • Natur und Gesetz: Bayerische Verfassung Artikel 141
  • Text „Mein Freund der Baum“ (Quelle: siehe oben; er stellt Ergebnisse einer Studie vor über die Gesundheit der Waldluft für den Menschen)

Anschließend haben ich den Schüler*innen folgendes Szenario präsentiert:

Tafelzeichnung der (fiktiven) Stadt Grünstadt
Tafelzeichnung „Grünstadt“

„Die Stadt Grünstadt ist eine freundliche Stadt mit etwa 30 000 Einwohnern. Es gibt eine schöne Kirche, viele Einfamilienhäuser und auch einige größere Mehrfamilienhäuser. In der Stadt gibt es viele Bäume, mehrere gute Schulen, ein paar Geschäfte … alles, was eine Stadt eben so braucht. Grünstadt liegt an einem schönen kleinen Fluss, dem Blaubach. Auf der anderen Seite des Blaubachs liegt die Großstadt Graustadt. Nicht weit entfernt ist ein Gebirge, die Grauen Berge. Das Beste an Grünstadt ist jedoch der große Grünwald, der direkt neben der Stadt liegt. In ihm gibt es viele Wanderwege, einen Trimm-dich-Pfad, Spielplätze, ein Restaurant als Ausflugsziel und einen kleinen Wildpark mit Wildschweinen, Rehen und ähnlichen Tieren. Die Grünstädter nutzen den Wald regelmäßig zum Spazierengehen, für Ausflüge, zum Sporttreiben oder auch einfach nur, um nach der Arbeit mal auszuspannen.

Weil Grünstadt so beliebt ist, soll ein großes Neubaugebiet entstehen. Eine große Firma soll dort Platz finden, die vielen Menschen Arbeit geben wird. Aber vor allem sollen viele Wohnungen gebaut werden, damit mehr Menschen in Grünstadt wohnen können. Dafür aber muss der Wald abgeholzt werden.

Die Grünstädter sind empört, und schon bald entstehen viele hitzige Diskussionen. Der Stadtrat lädt ein zur Stadtversammlung, in der die unterschiedlichen Interessengruppen zu Wort kommen können.“

Anschließend haben wir gemeinsam an der Tafel mögliche Interessengruppen gesammelt und deren Hauptargumente stichwortartig notiert:

Tafelbild
Tafelbild – zusammen mit den Schüler*innen erstellt: Interessengruppen in Grünstadt und ihre Argumente

In einem nächsten Schritt haben sich die Schüler*innen in Gruppen den verschiedenen Interessengruppen zugeteilt, und ich habe ihre Namen in rot neben die Bezeichnungen der Interessengruppen geschrieben.

Außerdem habe ich den Schüler*innen erklärt, wie die Debatte ablaufen wird:

Debattenverlauf

Die Einleitung und die Abstimmung übernimmt die Lehrkraft, die Pro- und Contra-Redebeiträge werden durch die Schüler*innengruppen geleistet. Wichtig ist, dass die Schüer*innen jeweils Rollen innerhalb ihrer Interessengruppen übernehmen und als diese auftreten. Außerdem ist es wichtig, dass sie ihre Argumente nicht nur nennen, sondern gut begründen und anschaulich darstellen. (–> Deutschunterricht: Aufbau von Argumenten: Behauptung, Begründung, Beispiel).

Während der Abstimmung verlassen die Schüler*innen dann ihre Rollen und schlüpfen in die Rolle des Publikums und geben ein Votum ab, ob das Neubaugebiet gebaut werden soll oder nicht, das der Stadtrat in seinen weiteren Entscheidungsprozess miteinbeziehen wird.

Der Verlauf der Debatte folgt im Wesentlichen den Regeln des Debattierclubs, ist jedoch nicht so streng in der Durchführung. Beispielsweise müssen keine festen Redezeiten eingehalten werden.

Arbeitsblatt (Muster)

Als alle Schüler*innen das Prozedere verstanden hatten, setzten sie sich in ihren Gruppen zusammen und bereiteten mit Hilfe des Arbeitsblattes „Kleine Debatte: Brauchen wir in Grünstadt unseren Wald?“ ihren Redebeitrag vor. Dabei unterstützte ich sie je nach Bedarf, damit sie in gute Rollen schlüpfen und ausreichend ausformulierte Argumente aufschreiben konnten. Wer fertig war, durfte seinen Debattenbeitrag proben.

Das Arbeitsblatt sende ich gerne auf Anfrage (per Mail an info[at]s[minus]ng.de oder über das Kontaktformular) zu.

In der darauffolgenden Doppelstunde fand dann die Debatte statt. Noch einmal erklärte ich das Prozedere, anschließend hatten die Gruppen noch einmal 10 Minuten Zeit für letzte Absprachen und Proben. Dann versammelten sie sich wieder im Klassenzimmer, und ich begann direkt mit der Einleitung, indem ich in die Rolle des Moderators der Debatte schlüpfte, die anwesenden Vertreter vorstellte und sie und das Publikum begrüßte. Dann bat ich direkt die erste Interessengruppe vor.

Die jeweiligen Schüler*innengruppen kamen nacheinander vor die Tafel und präsentierten ihre Debattenbeiträge. Dabei war es mir wichtig, stets darauf zu achten, dass alle in ihrer Rolle blieben und diese bis zum Ende nicht verließen, auch die Schüler*innen im Publikum nicht. Nachdem die letzte Gruppe gesprochen hatte, übernahm ich als Moderator wieder, bedankte mich für die Redebeiträge, entließ dann die Schüler*innen aus ihren Rollen in ihre Publikumsrolle und leitete dann die Abstimmung. Ich betonte noch einmal, dass sie nun nicht in ihrer Funktion von eben ihre Stimme abgeben sollten, sondern ihre eigene Meinung ausschlaggebend sein sollte. Die Abstimmung ging übrigens 15:3 für die Beibehaltung des Waldes aus.

In den letzten Minuten der Doppelstunde reflektierten wir noch die Methode an sich und die Redebeiträge der Schüler*innen und Schüler, wobei es keine ausführlichen Einzelfeedbacks gab wie beim Debattierclub, sondern die Reflexion eher allgemein gehalten war.

Die Schüler*innen fanden die Methode mehrheitlich gut, weil es ihnen Spaß gemacht hat, in die Rollen zu schlüpfen und zu debattieren. Sie würden bei passender Gelegenheit gern einmal wieder eine Debatte veranstalten. Sie wünschten sich jedoch vor der Debatte eine längere Absprachen- und Probezeit als 10 Minunten. Da einige die Aktion insgesamt aber als anstrengend und fordernd empfunden haben (weil sich jeder beteiligen muss und man sich als ruhigere*r Schüler*in nicht zurücklehnen und die anderen machen lassen kann wie in einem herkömmlichen Unterrichtsgespräch), gab es auch einzelne Schüler*innen, die nicht unbedingt gern so bald wieder eine Debatte im Ethikunterricht führen möchten. Ich denke aber, dass es auch eine Frage der Übung ist und dass diese Methode nicht nur zu einer guten Verankerung der Lerninhalte führt, sondern auch wichtige Schlüsselkompetenzen trainiert, weshalb wir sicher noch zwei, drei weitere Debatten im Laufe des Schuljahres durchführen werden, wenn es zum Unterrichtsstoff passt.