Oft wiederholt man vor einer Klassenarbeit (in Bayern: „Probe“ oder „Schulaufgabe“) mit den Schüler*innen noch einmal den Lernstoff. Dies mache ich in den Sachfächern (und im Fach Deutsch bei Grammatikthemen wie z. B. den Zeitformen des Verbs) gerne in Form eines Quiz. Das macht den Schüler*innen und mir als Lehrkraft meistens viel Freude – und es ist im Hinblick auf die Sicherung des Lernstoffs meist auch ziemlich effektiv. Im Folgenden möchte ich genauer vorstellen, wie wir das Quiz spielen. Diese Form hat sich bei mir im Unterricht über viele Jahre in den Klassenstufen 5 bis 7 sehr bewährt. Bestimmt kann man es genauso gut auch mit älteren Schüler*innen spielen.

Die Vorbereitung im Vorfeld (Schüler*innen)

Eine Woche im Voraus kündige ich das Quiz und auch die Probe, die in der darauffolgenden Unterrichtsstunde des Faches (also z. B. am Folgetag oder in der nächsten Woche) stattfindet, an. Es wird genau bekanntgegeben, welcher Stoff zu lernen ist (Heftseiten/Buchseiten/Themen). Ich sage zu den Schüler*innen immer, dass es sinnvoll ist, schon für das Quiz zu lernen, da das Gehirn dann viel besser vorbereitet ist, noch nicht so gut „sitzende“ Lerninhalte aufzunehmen, als wenn man erst nach dem Quiz mit dem Lernen anfängt. Außerdem sage ich ihnen, dass im Quiz Fragen drankommen, die in sehr ähnlicher Weise auch in der Probe gestellt werden.

(Viele Schüler*innen lernen trotzdem nicht – insbesondere, wenn man das Quiz zum ersten Mal spielt. Je öfter ich mit einer Lerngruppe solche Quizze durchführe, desto größer wird meist der Anteil der Schüler*innen, die schon zum Quiz lernen. Aber auch für die, die nicht gelernt haben, bringt das Quiz einen Mehrwert, nämlich den Zugewinn von probenrelevantem Wissen und die Erkenntnis, dass man noch nicht gut vorbereitet ist für die Probe.)

Die Vorbereitung im Vorfeld (Lehrkraft)

Um das Quiz durchführen zu können, schreibe ich die Quizkarten (je nach Thema meist zwischen 20 und 30 Karten) mit Fragen und Antworten. Je nach Schwierigkeit und Komplexität der Fragestellung sind die Fragen 20, 40, 60, 80 oder 100 Punkte wert. Die Punktzahlen schreibe ich groß auf die Rückseite. Manchmal gibt es auch Joker.

Einige der Quizkarten

Außerdem besorge ich ein paar Preise (eine bunte Mischung aus Süßigkeiten wie z. B. Brausepulvertütchen, Kaubonbons, Minischokoladentafeln, Bonbons …).

Vor der Stunde, in der das Quiz stattfindet, hefte ich die Quizkarten mit Magneten (Tesafilm geht auch) an die Tafel.

So sieht die Tafel aus, wenn die Schüler*innen ins Klassenzimmer kommen.

Die Quizregeln

Bevor wir die Gruppen bilden, erkläre ich die Quizregeln:

  • Wir spielen zum Spaß und zur Vorbereitung auf die Probe. Es ist nicht schlimm, wenn man verliert. Am Ende bekommt jede Gruppe einen Preis. Die Siegergruppe sucht sich zuerst je zwei Süßigkeiten pro Person aus der Schale aus, dann kommen die anderen drei Gruppen in der Reihenfolge der Platzierung dran und dürfen je eine Süßigkeit wählen.
  • Während das Quiz läuft, herrscht gespannte Ruhe. Insbesondere beim Vorlesen der Fragen und wenn die Antworten gesagt werden, muss man zuhören, aus quiztaktischen Gründen und weil man dadurch für die Probe lernt.
  • Gruppe 1 beginnt. Sie einigen sich auf eine Frage, z. B. „B 60“. Währenddessen sollten die anderen Gruppen auch schon beraten, welche Frage sie nehmen wollen, damit nicht so viel Zeit für die Beratungen verbraucht wird.
  • Die Lehrkraft liest die Frage vor. Die Gruppe berät leise und bestimmt eine*n, der*die die Antwort laut sagt. Das kann immer dasselbe Kind sein oder jedes Mal ein anderes. Das erste, was laut gesagt wird, zählt. Also immer erst absprechen! Wird eine Frage unvollständig beantwortet, darf die Lehrkraft nachfragen, ggf. auch ein bisschen helfen. Ist etwas Falsches in der Antwort oder weiß die Gruppe die Antwort nicht, wird die Frage (um 90° gedreht, damit man erkennt, dass sie schon einmal dran war) zurückgehängt. Ist die Antwort richtig, bekommt die Gruppe die Punkte. Die Karte wird in der Tabelle neben dem Quiz bei der Gruppe aufgehängt.
  • Anschließend ist die nächste Gruppe dran. Sie kann wählen, ob sie die zurückgehängte Frage nimmt oder eine neue.
  • Reihum ist immer die jeweils nächste Gruppe mit je einer Frage dran.
  • Das Quiz endet entweder, wenn alle Fragen gespielt wurden, oder etwa 10 Minuten vor Stundenende.
  • Sollte es Fragen geben, die von keiner Gruppe gelöst worden sind, löst die Lehrkraft sie noch auf. Die Punkte bekommt dann niemand.

Die Gruppenbildung

Es gibt viele Möglichkeiten, die Gruppen zusammenzustellen, in denen das Quiz gespielt wird. Bewährt hat sich für mich folgendes Vorgehen:

  • Zuerst mache ich eine Daumenabfrage. Jede*r Schüler*in zeigt mit dem Daumen, wie gut er oder sie sich vorbereitete fühlt. (Daumen hoch = ich weiß bestimmt fast jede Antwort, Daumen runter = ich weiß bestimmt fast nichts, für alles dazwischen den Daumen entsprechend stark oder weniger stark neigen.)
  • Anschließend bestimme ich vier Kinder, die wählen. Ich nehme immer Kinder, die anzeigen (oder von denen ich es vermute), dass sie viele Fragen beantworten können. Das ist deshalb gut, weil dann keine Gruppe am Ende ganz schlecht abschneidet.
  • Die vier Kinder gehen in die vier Ecken des Klassenzimmers und wählen der Reihe nach wie im Sportunterricht je ein weiteres Gruppenmitglied. Dabei ist ihnen freigestellt, ob sie nach Freundschaft oder nach angezeigtem Wissenstand gehen.
  • Das letzte der vier Kinder wählt zwei Kinder, dann ist wieder Kind 3 dran, dann Kind 2, dann Kind 1 mit zwei Kindern und wieder zurück, so lange, bis alle Kinder einer Gruppe zugeordnet sind.
  • Es werden vier Gruppentische in den vier Ecken des Klassenzimmers aufgebaut und die Gruppen setzen sich darum.

Das Quiz

Wenn die Regeln erklärt und die Gruppen gebildet sind und ihre Plätze eingenommen haben, startet das Quiz. Wenn eine Lerngruppe das Quiz zum ersten Mal spielt, sollte man eine Doppelstunde einplanen. Später reicht eine Stunde – allerdings sollte die Gruppenbildung dann in der Stunde davor stattfinden, sonst ist die Zeit zu knapp. (Oder man nimmt weniger Fragen.)

Die Lehrkraft achtet auf eine „quizartige“ Atmosphäre. D. h. sie schlüpft in die Rolle des Quizmasters, achtet auf zügige Durchführung und auf die Einhaltung der Regeln.

Hier sieht man, wie 3 Fragen um 90° gedreht hängen, weil sie falsch beantwortet oder nicht gewusst wurden. Auch ist der momentane Punktestand der Gruppen zu sehen.

Das Ende

Der Punktestand am Ende des Quizzes.
Der Endstand.

Der Quizmaster beendet das Quiz rechtzeitig vor Stundenende. Möglicherweise werden nicht alle Fragen geschafft, dann sollte man die letzte Runde ankündigen, in der jede Gruppe noch einmal drankommt.

Zum Schluss werden die Punkte zusammengezählt, die Platzierungen vergeben und die Schüler*innen suchen sich ihre Preise aus.

Bevor die Schüler*innen in die Pause gehen, verlasse ich meine Quizmaster-Rolle und sage als Lehrkraft, dass die Schüler*innen ja nun selbst einen Überblick bekommen haben, was in der Probe drankommt und ob sie schon gut vorbereitet sind. Ich lege ihnen nahe, die verbleibende Zeit bis zur Probe noch zum Lernen der Themen, bei denen sie festgestellt hatten, dass sie es nicht gut können, zu nutzen. Es ist auch möglich, mit den Schüler*innen gemeinsam eine ausführliche Reflexion zu machen.

Fazit

Ich habe in der überwiegenden Mehrzahl der Klassen und Lerngruppen sehr positive Erfahrungen mit dem Quiz gemacht. Die Schüler*innen mögen die spielerische und wettkampforienterte Atmosphäre und strengen sich meistens sehr an, in der Gruppe zu der richtigen Antwort auf die jeweilige Frage zu kommen. Meistens klappt es auch gut, dass die Gruppen, die gerade nicht an der Reihe sind, ebenfalls flüsternd beraten. (Das empfehle ich immer, denn zum einen könnte es ja sein, dass die Frage falsch beantwortet und zurückgehängt wird, und zum anderen festigen gerade diese Beratungsrunden das Wissen besonders gut.) Die Schüler*innen und ich freuen uns immer auf die Quizstunden – und in der anschließenden Probe gibt es dann meistens viele gute Ergebnisse.

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