„Irgendwie dazwischen oder: Das mit Percy“ erscheint demnächst in zweiter Auflage

Seit etwa einem halben Jahr ist mein zweiter Roman nun auf dem Markt, und ich freue mich sehr über die vielen, vielen begeisterten Leser*innenstimmen, die mich erreicht haben. Die Geschichte von Manu und Percy nimmt ihre Leser*innen gefangen, berührt, wühlt auf und macht nachdenklich.

Was mich auch sehr freut, ist, dass viele Leser*innen, die sich vorher noch nicht näher mit dem Themenkomplex Geschlechtsidentität/Transgender/Non-Binarität auseinandergesetzt hatten, mir berichtet haben, dass sie auf einmal anfingen, über Rollenerwartungen nachzudenken und über ihre eigenen Vorurteile, besonders dann, wenn sie überrascht und irritiert waren, dass Manus biologisches Geschlecht sich im Laufe des Romans als ein anderes herausstellte, als sie zu Anfang angenommen hatten.

Natürlich haben auch Menschen aus der queeren Community das Buch gelesen. Von manchen von ihnen erhielt ich die Rückmeldung, dass sie zwar von dem Buch an sich begeistert sind, sie sich aber an Formulierungen (die an zwei Stellen in den Kapiteln 14 und 16 auftauchen, wo sich Manu an eine Fernsehsendung erinnert) gestört haben, die heute als veraltet, unangemessen oder unreflektiert gelten. Ich habe mich beim Schreiben des Buches für diese Formulierungen entschieden, weil das Buch im Jahr 2009 spielt und weil Manu in den drei Wochen, die die Handlung des Buches umfasst, gerade erst anfängt, wirklich über die eigene Geschlechtsidentität nachzudenken. Die heutigen Begriffe und Redewendungen wären daher Fremdkörper im Buch gewesen. Beim Schreiben des Romans war mir nicht bewusst, dass viele Menschen anscheindend gar nicht wissen, wie jung Begriffe wie „trans*“ oder „geschlechtsangleichende Operation“ in der deutschen öffentlichen Diskussion noch sind, und dass sie dann – verständlicherweise – irritiert oder sogar verärgert über die aus ihrer Sicht unpassenden Formulierungen sind, auch wenn sie nur an zwei Stellen auftreten, da ich im Buch bewusst auf Etikettierungen und Labels verzichtet habe.

Außerdem kritisierten manche Leser*innen, dass Percy gegen Ende in zweien seiner Schreibübungen Manu mit „sie“ bezeichnet (bevor er im letzten Text wieder bewusst jegliches Pronomen vermeidet). Für mich sind Percys Texte Ausdruck seines ganz persönlichen Ringens mit sich und der Welt und mit dem, was Manu für ihn bedeutet. Seine Schreibübungen bekommt niemand außer ihm zu lesen (abgesehen von den Leser*innen des Romans natürlich). Für mich weist Percy in seinen Texten daher Manu kein Pronomen zu, sondern reflektiert lediglich seine schillernde Wahrnehmung von Manus Geschlechtszugehörigkeit. Außerdem konnte Percy 2009 noch gar nicht darüber nachdenken, dass er Manu vorher fragen sollte, welches sein*ihr Pronomen ist, denn im Rahmen seiner Recherchen, die er ja durchaus betrieben hat, hätte er nicht so ohne Weiteres auf diese Thematik stoßen können – ganz im Gegensatz zu heute.

Aufgrund dieser Rückmeldungen habe ich mich dazu entschieden, eine zweite Auflage von „Irgendwie dazwischen oder: Das mit Percy“ herauszubringen, die in Kürze erscheinen wird.

In dieser habe ich zwei Texte von Percy (die vom 6. und 8. Oktober) leicht verändert, sodass Percy nun nicht mehr zwischenzeitlich von Manu als „sie“ schreibt. Denn für Percy ist Manu die ganze Zeit „irgendwie dazwischen“, und ich möchte nicht, dass sein zwischenzeitliches höchst-privates „Ausprobieren“ des Pronomens „sie“ von Leser*innen als eigenmächtige Zuweisung eines Pronomens für Manu missverstanden werden kann.

Außerdem habe ich ein Nachwort ergänzt, in dem ich erkläre, warum an den zwei Stellen, die sich auf die Fernsehsendung beziehen, die Manu gesehen hat, von „Transsexuellen“ die Rede ist und warum Manu dort in Formulierungen wie „ein Junge im Mädchenkörper“ und „umoperieren“ denkt.

Abgesehen von diesen beiden Änderungen (und der Korrektur von 5 Tippfehlern, die sich doch noch ins Buch geschlichen hatten) ist „Irgendwie dazwischen oder: Das mit Percy“ in der 2. Auflage unverändert.

Hier geht es zum Nachwort der 2. Auflage.

Hier sind die Änderungen in Percys Texten vom 6. und 8. Oktober einander gegenübergestellt.

Hier geht es zu häufig gestellten Fragen zum Buch.

Weitere nützliche, weiterführende Links

… zum Thema Queer-sein/Transgender/Non-Binarität und (Neo-)pronomen:

https://www.br.de/puls/themen/leben/transgender-begriffe-und-formulierungen-100.html

https://www.trans-inter-beratungsstelle.de/de/begriffserklaerungen.html

https://www.br.de/puls/ansprache-nonbinary-people-100.html

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